Was ist Dialyse?
Mit „ich trenne“ wird das griechische Wort „dialyso“ übersetzt, ganz allgemein verstehen wir darunter eine Blutwäsche, bei der Giftstoffe (vor allem Harnstoff und Kreatinin) aus dem Blut herausgewaschen bzw. „herausgetrennt“ werden.
Zwei unterschiedliche Verfahren (Hämodialyse und Peritonealdialyse) haben sich nebeneinander entwickelt, folgen aber demselben Prinzip: Mittels einer teildurchlässigen Membran werden schädliche Stoffe in eine wässrige Lösung abgegeben und auf diesem Weg aus dem Körper entfernt.
Hämodialyse
Entwickelt wurde das Verfahren der Hämodialyse bereits um 1925 von dem Gießener Mediziner Georg Haas, doch erst 1946 konnte die erste erfolgreiche Hämodialyse beim Menschen durchgeführt werden. Es sollte allerdings noch bis Mitte der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts dauern, bis eine regelmäßige Behandlung durch systematische Verbesserung und technischen Fortschritt möglich wurde. Zuvor beschränkte sich die Hämodialyse auf akute Notfälle.
Bei der Hämodialyse wird das Blut außerhalb des Körpers in einer Maschine von Schadstoffen befreit. Entscheidend bei diesem Vorgang ist die Diffusion: Hierbei wandern kleine Teilchen (Moleküle, Atome und Ionen) durch eine Art Filter (eine Membran) von der Flüssigkeit mit der höheren Konzentration zu der mit niedrigerer Konzentration. Dies geschieht solange, bis auf beiden Seiten eine gleichhohe Dichte herrscht.
Bei der Dialyse wird genau dies genutzt, um aus dem Blut – mittels der Membran – die unerwünschten Stoffe herauszufiltern. Die Membran wird so gewählt, dass nur bestimmte Stoffe hindurchwandern können, dieser Vorgang wird auch als „selektive Diffusion“ bezeichnet. Mit dem Dialysator – der künstlichen Niere – werden dem Blut mit einer entkeimten Spüllösung (dem Dialysat) durch eine Membran die Schadstoffe mittels Diffusion entzogen. Dieser Vorgang muss wiederholt werden, um die Giftstoffkonzentration im Blut weit genug abzusenken.
Zu diesem Zweck wird das Blut in das eigentliche Dialysegerät geführt. Circa 0,3 Liter Blut werden pro Minute aus dem Körper gepumpt und gereinigt. Die gesamte Blutmenge des Patienten (circa 5 Liter) durchläuft auf diese Weise rund 15-mal das Dialysegerät innerhalb einer einzigen Sitzung von 4-5 Stunden. Kleine Teilchen werden besser entfernt als große Moleküle. Eiweiß oder Zellen sind zu groß, um sie bei einer Dialyse abzutrennen. Andererseits werden auch ungiftige Stoffe und bestimmte Vitamine herausgewaschen, die allerdings in Tablettenform nachgereicht werden können.
Weil die Blutwäsche dreimal in der Woche durchgeführt werden muss, ist es notwendig einen speziellen Zugang (Dialyseshunt) zu legen, denn eine normale Ader entzündet sich oder verklebt, wenn sie allzuoft punktiert (angestochen) wird. Beim Anlegen eines Shunts wird eine Pulsader im Rahmen eines kleinen operativen Eingriffs in lokaler Betäubung an eine Vene angenäht, durch die nun eine für den Dialyseablauf ausreichende Menge Blut fließt.
Peritonealdialyse
Bei dieser Art der Dialyse spielt die Entdeckung eine Rolle, dass sich auch das Bauchfell (Peritoneum) als Membran zwischen Blut- und Wasserseite eignet. Entscheidender Vorteil ist, dass Patienten die Bauchfelldialyse alleine durchführen können und nicht auf ein Dialysegerät zu festen Zeiten in einer Klinik angewiesen sind. Die CAPD – continuierliche ambulante Peritonealdialyse – ermöglicht eine größere Mobilität und Unabhängigkeit.
Im Rahmen einer Operation wird ein steriler Plastikschlauch mit einem Verschlussventil in den Bauchraum eingenäht, der aus der Bauchwand heraus einen festen Zugang bietet. Als Membran dient das Bauchfell und wie bei der Hämodialyse wandern die Schadstoffe in die Spüllösung, die regelmäßig gewechselt werden muss.
Circa 2,5 Liter Spüllösung lässt der Patient selbst aus einem Beutel in den Bauchraum fließen. Nach fünf bis sechs Stunden ist die Spüllösung gesättigt. In dieser Zeit erfolgt der Austausch von Giftstoffen vom Blut in die Flüssigkeit der Bauchhöhle. Danach muss der Patient die Lösung wieder ablassen
und eine neue Spüllösung in den Bauchraum einlaufen lassen. Der Wechsel der Flüssigkeit nimmt etwas 20-30 Minuten in Anspruch – täglich sind bis zu fünf Wechsel notwendig. Die Bauchfelldialyse findet kontinuierlich statt und ist der natürlichen Nierenfunktion näher, als die auf bestimmte Stunden begrenzte Hämodialyse – zwar schonender, allerdings nicht ganz so effektiv.
Der Patient muss auf eine Peritonealdialyse vorbereitet und eingehend geschult werden. Zu groß ist die Gefahr einer Bauchfellentzündung, weil Keime über den Katheter in den Bauchraum gelangen können.
Die Bauchfelldialyse kann über Jahre hinweg erfolgreich durchgeführt werden, sie ist aber auch eine Belastung für das Bauchfell. Die Bauchfellmembran ist nach fünf bis sechs Jahren bei rund 25 Prozent der Patienten erschöpft und es muss zwangsläufig auf eine Hämodialyse umgestellt werden – oder eine Nierentransplantation folgt. Bei einer durchschnittlichen Wartezeit von 6 Jahren auf eine Ersatzniere eine vertretbare Größe. Nach der Transplantation kann sich das Bauchfell zumindest teilweise erholen.
Trotz allen Fortschritts kann die Dialyse nicht alle Aufgaben einer gesunden Niere übernehmen – die Produktion von Hormonen bleibt aus.
Christian Wolf